Erneuerbare Energien benötigen Milliardeninvestitionen – und Privatanleger sollen daran zunehmend direkt beteiligt werden. Mit klimaVest steht dabei ein Sachwertefonds im Mittelpunkt, der Kapital in Windparks, Solaranlagen und Stromnetze lenkt. Die Commerzbank hebt in ihrem aktuellen Fondsporträt insbesondere die langfristig ausgerichteten Sachwertinvestitionen und die angestrebten stabilen Cashflows hervor. Gleichzeitig zeigt ein genauerer Blick: Wer in Energieinfrastruktur investiert, tauscht die täglichen Schwankungen klassischer Aktienanlagen gegen ganz andere Risiken ein.
1,8 Milliarden Euro stecken bereits im Fonds
klimaVest ist längst kein kleines Nischenprodukt mehr. Nach aktuellen Angaben verfügt der Fonds über ein Volumen von rund 1,8 Milliarden Euro. Rund 30.000 Anlegerinnen und Anleger sind investiert.
Das Portfolio umfasst 43 Anlagen beziehungsweise Beteiligungen und erstreckt sich über sechs europäische Länder. Im Zentrum stehen Wind- und Solarenergie sowie Netzinfrastruktur.
Der Grundgedanke ist einfach: Statt ausschließlich Aktien von Energieunternehmen zu kaufen, beteiligt sich der Anleger über den Fonds an realen Infrastrukturwerten.
Dazu zählen beispielsweise Windparks und Photovoltaikanlagen, die Strom produzieren und daraus laufende Einnahmen erzielen.
Stromnetze erweitern das klassische Wind-und-Solar-Modell
Interessant ist, dass sich klimaVest inzwischen nicht mehr ausschließlich auf die Stromerzeugung konzentriert.
Im Mai 2025 erwarb der Fonds indirekt rund 4,5 Prozent am deutschen Übertragungsnetzbetreiber Amprion. Amprion betreibt ein Stromübertragungsnetz von rund 11.000 Kilometern im Westen und Südwesten Deutschlands.
Damit kommt neben Wind und Solar eine weitere Form von Sachwert hinzu: die Netzinfrastruktur.
Perspektivisch sollen zudem Batteriespeicher das Portfolio ergänzen.
Damit setzt klimaVest auf mehrere Bereiche, die für den Umbau des europäischen Energiesystems benötigt werden: Strom erzeugen, Strom transportieren und künftig verstärkt Strom speichern.
Woher sollen die langfristigen Erträge kommen?
Aus Anlegersicht ist entscheidend, wie mit solchen Anlagen Geld verdient werden soll.
Wind- und Solarparks erzeugen Strom, der verkauft wird. Langfristige Stromabnahmeverträge können dabei die Einnahmen besser kalkulierbar machen. Bei Stromnetzen kommen regulierte Netzentgelte hinzu.
Die Commerzbank sieht darin die Grundlage für langfristig orientierte Cashflows und führt die geringe Korrelation von Energieinfrastruktur mit klassischen Anlageklassen wie Aktien und Anleihen als mögliches Diversifikationsargument an.
Allerdings darf „langfristig“ nicht mit „garantiert“ verwechselt werden.
3 Prozent Wertentwicklung – aber Kosten nicht vergessen
Die aktuellen Zahlen fallen zunächst solide, aber nicht spektakulär aus.
klimaVest weist zum 31. Juli 2026 eine Wertentwicklung von 3,0 Prozent über ein Jahr aus. Seit der Auflage im Oktober 2020 beträgt die kumulierte Wertentwicklung nach Angaben des Anbieters 20,6 Prozent.
Wie bei jedem Fonds gilt: Die bisherige Entwicklung erlaubt keine verlässliche Prognose der zukünftigen Rendite.
Gerade bei der Renditebetrachtung sollten Anleger zudem die Kosten berücksichtigen.
Für das Geschäftsjahr 2024/2025 wird eine geschätzte Gesamtkostenquote von 1,30 Prozent genannt. Zusätzlich kann beim Erwerb ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5 Prozent entstehen.
Bei langfristigen Anlagen können Kosten einen erheblichen Einfluss auf die tatsächlich beim Anleger verbleibende Rendite haben.
Seit September gelten neue Spielregeln
Besonders interessant ist eine Änderung, die seit 1. September 2026 gilt.
klimaVest wurde auf den europäischen Fondsstandard ELTIF 2.0 umgestellt. Gleichzeitig wurde eine neue Anteilklasse eingeführt.
Damit wurde einerseits der Zugang erleichtert: Für neue Anleger entfällt die bisherige Mindestanlage von 10.000 Euro.
Auf der anderen Seite müssen Anleger bei der Liquidität genauer hinschauen.
Für Neuanleger gilt seit dem 1. September eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten für Rückgaben. Für bestimmte bestehende Anleger der bisherigen Anteilklasse gelten Bestandsschutzregelungen.
Das ist ein wichtiger Unterschied zu täglich verfügbaren Bankguthaben oder jederzeit börslich handelbaren ETFs.
Sachwerte sind real – aber nicht automatisch sicher
Der Begriff „Sachwert“ klingt für viele Anleger zunächst beruhigend. Schließlich stehen hinter dem Investment tatsächlich Windräder, Solarmodule und Stromnetze.
Doch ein physisch vorhandener Vermögenswert schützt nicht automatisch vor Verlusten.
Bei Windparks hängt die Stromproduktion beispielsweise vom Windaufkommen ab, bei Photovoltaikanlagen von der Sonneneinstrahlung. Hinzu kommen technische Risiken, Bau- und Entwicklungskosten sowie regulatorische Veränderungen.
Auch staatliche Einspeisevergütungen können sich verändern. Ausschüttungen können ausbleiben. Selbst Wechselkursrisiken lassen sich nicht vollständig ausschließen.
Ein Risiko verdient besondere Aufmerksamkeit: Liquidität
Für Anleger dürfte ein Punkt besonders wichtig sein.
Windparks, Solarparks oder Stromnetzbeteiligungen können nicht so schnell verkauft werden wie eine börsennotierte Aktie.
Gerät ein Sachwertefonds unter hohen Rückgabedruck, entsteht deshalb ein strukturelles Problem: Anleger möchten ihr Geld zurück, während die Vermögenswerte des Fonds langfristig gebunden und nur eingeschränkt handelbar sind.
Der Anbieter weist ausdrücklich darauf hin, dass die eingeschränkte Handelbarkeit illiquider Sachwerte bei Liquiditätsengpässen zu einer vorübergehenden Aussetzung der Anteilsrücknahme bis hin zu einer geordneten Auflösung des Fonds führen kann.
Gerade dieser Hinweis sollte beim Begriff „stabile Sachwerte“ nicht überlesen werden.
Ein Investment in die Energiewende – mit langfristiger Bindung
klimaVest bietet Privatanlegern Zugang zu Infrastrukturprojekten, die früher weitgehend institutionellen Investoren vorbehalten waren. Das ist grundsätzlich bemerkenswert.
Der Fonds bündelt unterschiedliche Wind- und Solarparks sowie Netzinfrastruktur in mehreren Ländern und ermöglicht dadurch eine breitere Streuung, als sie ein Privatanleger mit einzelnen direkten Beteiligungen normalerweise erreichen könnte.
Die andere Seite dieses Modells ist die langfristige Kapitalbindung.
Der Anbieter nennt einen empfohlenen Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren. Seit September müssen neue Anleger zusätzlich die zwölfmonatige Kündigungsfrist für Rückgaben berücksichtigen.
Fazit: Interessante Sachwerte – aber kein grünes Sparbuch
klimaVest zeigt exemplarisch, wie sich der Sachwertemarkt verändert. Windparks, Solaranlagen und Stromnetze werden zunehmend auch für Privatanleger investierbar.
Das Fondsvolumen von 1,8 Milliarden Euro und rund 30.000 Anleger zeigen, dass dafür bereits erhebliche Nachfrage besteht.
Das Investmentkonzept besitzt nachvollziehbare wirtschaftliche Grundlagen: Europa benötigt enorme Investitionen in Stromerzeugung, Netze und Speicher. Reale Infrastruktur kann langfristige Einnahmen erwirtschaften und ein Portfolio um eine Anlageklasse ergänzen, die sich anders verhält als klassische Aktien oder Anleihen.
Doch Anleger sollten die andere Seite genauso ernst nehmen: Kosten, langfristige Kapitalbindung, eingeschränkte Handelbarkeit sowie Wetter-, Technik-, Bau- und Regulierungsrisiken gehören zum Investment dazu.
Der entscheidende Punkt lautet deshalb: Ein Windpark ist zwar ein realer Sachwert – seine zukünftige Rendite ist deshalb noch lange nicht in Stein gemeißelt.

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