Die Edelmetalle haben in den zurückliegenden Monaten eine klar erkennbare Korrekturphase durchlaufen. Die einfache Frage lautet nun: Ist es das schon gewesen und werden die Preise wieder steigen? Die Antwort: Es sieht ganz danach aus. Allerdings ist es notwendig, zwischen kurzfristigen Ausschlägen und dem langfristigen Trend zu unterscheiden. Die Volatilität hat in den vergangenen Monaten stark zugenommen. Starke Anstiege wechseln sich mit scharfen Korrekturen ab. Während kurzfristige Trader in diesen deutlichen Preisbewegungen ein attraktives Handelsumfeld sehen, sollte der langfristig denkende Investor diese Bewegungen nach Möglichkeit ignorieren. Zugegeben: Leicht fällt das nicht. Aber für die Annahme, daß die Edelmetallpreise weiter deutlich steigen werden, gibt es gewichtige Argumente.
Was insbesondere für den Preisanstieg bei Gold spricht, ist die hohe und dramatisch steigende Staatsverschuldung. Zahlreiche Länder, darunter alle großen Industrieländer, können ihre Verschuldung durch normale Haushaltsdisziplin rechnerisch nicht mehr in den Griff bekommen. Da die Zinslast einen immer größeren Anteil an den Staatshaushalten einnimmt, können die Zentralbanken die Zinsen nicht in Bereiche anheben, die für die Eindämmung der Inflation vielleicht sinnvoll wäre. Das Geld verliert somit an Wert und die Schuldenspirale wird mit großer Wahrscheinlichkeit zu Währungsreformen führen.
Das zweite starke Argument für steigende Goldpreise ist der Vertrauensverlust vieler Länder gegenüber der Werthaltigkeit des Dollars. Viele Zentralbanken erhöhen konsequent den Anteil von Gold innerhalb ihrer Währungsreserven. Einige Länder haben auch mit der Bildung strategischer Reserven in Silber und Platingruppenmetallen begonnen. Als Reserveanlage ist Gold allen Papierwährungen überlegen, weil es kein Gegenparteirisiko enthält.
Das dritte wichtige Argument ist die völlige Vernachlässigung von Gold als Anlage in den Portfolios westlicher privater und institutioneller Anleger. Der Anteil von Gold ist hier verschwindend gering. Demgegenüber stellt vor allem Gold in China und Indien einen traditionsreichen, weitverbreiteten Realwert dar, mit dem Vermögen aufgebaut wird. Der starke Anstieg des Goldpreises in den vergangenen Jahren hat diese Menschen in ihrer Auffassung bestätigt. Sobald westliche Investoren nachziehen werden, erhöht sich die Nachfrage in bedeutendem Ausmaß.
Viertens zieht das Angebot nicht mit der deutlich steigenden Nachfrage mit. Hochgradige Lagerstätten sind weitgehend erschöpft, neue werden kaum erschlossen, die steigenden Energiepreise machen den Abbau kostspielig. Die Situation bei Silber ist komplexer, weil es zu 70 % als Beiprodukt beim Abbau anderer Rohstoffe anfällt. Sein Angebot ist daher unelastisch, es steigt nicht mit der Nachfrage nach Silber, sondern mit der Nachfrage nach anderen Metallen.
Während Gold stark auf Veränderungen des Geldwesens reagiert, ist Silber sehr anfällig für wirtschaftliche Entwicklungen. Zahlreiche Zukunftstrends legen einen starken Anstieg der Nachfrage nahe, wobei schon seit Jahren ein wachsendes Angebotsdefizit den Markt beherrscht. Für die Industrie ist reales, lieferbares Silber essentiell. Ein verbriefter Lieferanspruch ist nichts wert, wenn ihm kein physisches Silber gegenübersteht. Deshalb kann der Papiermarkt ohne Ankündigung implodieren. Anleger wissen das und kaufen das Material auf. Die Preise der Edelmetalle können zwischendurch immer einen Rücksetzer einlegen, für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends sprechen jedoch bedeutende Argumente.

