Gold-Boom in Deutschland: Privathaushalte sitzen auf einem Goldschatz von mehr als 1,4 Billionen Euro

Gold-Boom in Deutschland: Privathaushalte sitzen auf einem Goldschatz von mehr als 1,4 Billionen Euro

Veröffentlicht:

Donnerstag, 03.09.2026
von Red. LF

Der Gold-Boom in Deutschland erreicht eine neue Größenordnung. Deutsche Privathaushalte besitzen inzwischen 9.173 Tonnen Gold. Durch den starken Anstieg des Goldpreises ist dieses Vermögen erheblich wertvoller geworden. Nach der aktuellen Goldstudie 2026 der Reisebank und des CFin – Research Center for Financial Services der Steinbeis-Hochschule übersteigt das private Goldvermögen erstmals die Marke von 1,4 Billionen Euro.

Besonders bemerkenswert ist, wie stark der Wert innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit gestiegen ist. Das Goldvermögen der deutschen Privathaushalte hat sich nach Angaben der Studie innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt. Verantwortlich dafür ist vor allem die Entwicklung des Goldpreises. Im März 2026 erreichte dieser laut Studie mit 4.457,35 Euro je Feinunze ein historisches Allzeithoch.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Deutschen ihre Goldbestände innerhalb von zwei Jahren verdoppelt hätten. Ein erheblicher Teil des Vermögenszuwachses ist ein Bewertungseffekt: Bereits vorhandene Barren, Münzen und Schmuckstücke sind durch den gestiegenen Goldpreis wesentlich mehr wert.

Mehr als 9.000 Tonnen Gold in privaten Händen

Auch die Menge ist beeindruckend. Insgesamt werden die privaten Goldbestände auf 9.173 Tonnen beziffert. Davon entfallen allein 5.464 Tonnen auf physisches Anlagegold in Form von Barren und Münzen. Gegenüber 2024 entspricht das einem Zuwachs von 235 Tonnen.

Damit besitzen deutsche Privatpersonen nach den Berechnungen der Studie fast dreimal so viel Gold wie die Deutsche Bundesbank, deren Bestand mit rund 3.350 Tonnen angegeben wird. Rund 10,7 Prozent der weltweiten privaten Goldinvestments sollen sich demnach in deutschen Händen befinden.

Allein das zu Anlagezwecken gehaltene Gold – also Barren, Münzen und goldbezogene Wertpapiere – erreicht inzwischen einen Wert von rund 907 Milliarden Euro. Gegenüber 2024 bedeutet das einen Zuwachs von etwa 540 Milliarden Euro. Hinzu kommt Goldschmuck im geschätzten Wert von weiteren 532 Milliarden Euro. Zusammengenommen wird damit die Schwelle von 1,4 Billionen Euro überschritten.

Auch im Verhältnis zum gesamten Privatvermögen hat Gold deutlich an Gewicht gewonnen. Sein Anteil stieg nach der Studie innerhalb von zwei Jahren von 2,8 auf 6,1 Prozent. Das Edelmetall ist damit für viele Haushalte längst mehr als ein kleiner Bestandteil des Vermögens.

Mehr als jeder Zweite besitzt Gold

Gold ist dabei keineswegs nur eine Anlageform für eine kleine Gruppe besonders vermögender Investoren. Nach der Untersuchung besitzen 55 Prozent der Bundesbürger Gold – als Schmuck, physische Geldanlage oder über entsprechende Wertpapiere.

Die Bereitschaft, die Bestände zu halten, ist trotz der hohen Preise groß. Lediglich 13 Prozent der befragten Goldbesitzer haben innerhalb der vergangenen zwölf Monate verkauft. 87 Prozent behielten ihr Gold.

Als wichtige Motive nennt die Untersuchung vor allem den langfristigen Werterhalt und den Schutz vor Inflation. 39 Prozent nennen den Werterhalt als Beweggrund, 32 Prozent den Inflationsschutz. Gleichzeitig geben 92 Prozent der Goldkäufer an, mit ihrem Investment zufrieden zu sein.

Interessant ist außerdem die Entwicklung bei jüngeren Anlegern. Menschen unter 34 Jahren halten der Untersuchung zufolge im Durchschnitt mehr als 20 Prozent ihres Vermögens in Gold, während es bei den über 45-Jährigen weniger als 15 Prozent sind.

Zwar kauften zuletzt etwas weniger Menschen Gold: Rund 15 Prozent der Befragten hatten in den vergangenen zwölf Monaten Gold erworben, gegenüber 17 Prozent in der Untersuchung von 2024. Wer kaufte, investierte jedoch höhere Summen. Während 2024 ein Viertel der Käufer mehr als 2.500 Euro investierte, liegt dieser Betrag 2026 bei mehr als 4.500 Euro.

Der Steuervorteil von physischem Gold

Neben der Preisentwicklung besitzt physisches Anlagegold in Deutschland eine steuerliche Besonderheit, die für langfristig orientierte Privatanleger interessant sein kann.

Private Veräußerungsgewinne aus physischen Edelmetallen können nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG nach Ablauf der einjährigen Haltefrist steuerfrei sein. Die Reisebank weist entsprechend darauf hin, dass private Veräußerungsgewinne aus physischen Edelmetallen nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr steuerfrei sein können.

Das unterscheidet physisches Gold von vielen klassischen Kapitalanlagen, bei denen Gewinne grundsätzlich der Kapitalertragsteuer unterliegen können.

Allerdings darf daraus nicht der Schluss gezogen werden, dass jedes Produkt mit Goldbezug automatisch dieselbe steuerliche Behandlung genießt. Bei Wertpapieren, Zertifikaten, ETCs oder anderen Konstruktionen kommt es auf die konkrete Ausgestaltung des Produkts an.

Rekordvermögen ist nicht gleich Rekordgewinn

Bei den spektakulären Billionenzahlen ist außerdem eine wichtige Unterscheidung notwendig. Die mehr als 1,4 Billionen Euro stellen den geschätzten aktuellen Wert der privaten Goldbestände dar. Es handelt sich nicht um Gewinne, die deutsche Anleger tatsächlich realisiert haben.

Wer beispielsweise vor Jahren einen Goldbarren gekauft hat und diesen weiterhin besitzt, verfügt durch den höheren Goldpreis möglicherweise über einen erheblichen Buchgewinn. Erst bei einem Verkauf wird daraus ein tatsächlich realisierter Gewinn oder Verlust.

Ebenso wenig ist ein hoher Goldpreis eine Garantie für weitere Wertsteigerungen. Gold zahlt keine Zinsen und keine Dividenden. Sein Marktpreis kann steigen, aber ebenso wieder deutlich fallen. Bei physischem Gold kommen zudem Unterschiede zwischen An- und Verkaufspreisen sowie gegebenenfalls Kosten für Lagerung und Versicherung hinzu.

Studie basiert auf 2.000 Befragten

Auch die Methodik der Untersuchung ist für die Einordnung wichtig. Die genannten 9.173 Tonnen wurden nicht durch eine tatsächliche Bestandsaufnahme sämtlicher deutscher Tresore, Bankschließfächer und Schmuckkästen ermittelt.

Die Studie „Goldinvestments 2026: Indikatoren, Motive und Einstellungen von Privatpersonen“ wurde im ersten Quartal 2026 vom CFin – Research Center for Financial Services der Steinbeis-Hochschule im Auftrag der Reisebank durchgeführt. Grundlage ist eine repräsentative Online-Befragung von 2.000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern ab 18 Jahren. Die Untersuchung wurde bereits zum neunten Mal durchgeführt.

Die Gesamtbestände sind dementsprechend Hochrechnungen auf Grundlage der Befragung und keine physische Inventur.

Dennoch zeigen die Ergebnisse eindrucksvoll, welche Bedeutung Gold für deutsche Privathaushalte inzwischen besitzt: 9.173 Tonnen privates Gold, mehr als 1,4 Billionen Euro geschätzter Wert und ein Goldanteil von 6,1 Prozent am privaten Gesamtvermögen.

Der eigentliche Treiber dieses Rekords ist jedoch weniger eine plötzlich ausgebrochene Kaufwelle als der enorme Goldpreisanstieg. Genau darin liegt auch die Kehrseite des Booms: Ein großer Teil des neu entstandenen Goldvermögens existiert bislang als Buchwert – und bleibt damit unmittelbar von der weiteren Entwicklung des Goldpreises abhängig.

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