Die Inflation in Deutschland zieht wieder an. Nach den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes lagen die Verbraucherpreise im August 2026 um 2,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Damit entfernt sich die Teuerungsrate wieder deutlicher von der Zwei-Prozent-Marke.
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei der Energie. Während sich die Preise für Lebensmittel gegenüber dem Vorjahr kaum verändert haben, belasten hohe Energiepreise die Verbraucher zunehmend.
Für private Haushalte ist die Entwicklung besonders relevant: Steigende Energiepreise wirken nicht nur unmittelbar beim Tanken oder Heizen. Sie können über Transport-, Produktions- und Logistikkosten nach und nach auch andere Bereiche der Wirtschaft erreichen.
Inflation steigt auf 2,9 Prozent
Die vorläufige Inflationsrate für August liegt bei 2,9 Prozent.
Damit setzt sich der zuletzt wieder sichtbare Aufwärtstrend fort. Noch im Juli hatte die Jahresteuerungsrate bei 2,8 Prozent gelegen.
Auf den ersten Blick erscheint ein Unterschied von 0,1 Prozentpunkten gering. Entscheidend ist jedoch die Richtung.
Die Inflationsrate bewegt sich nicht weiter nach unten, sondern wieder nach oben.
Für Verbraucher bedeutet eine Inflationsrate von 2,9 Prozent vereinfacht gesagt: Ein durchschnittlicher Waren- und Dienstleistungskorb kostet deutlich mehr als zwölf Monate zuvor.
Das heißt allerdings nicht, dass jedes einzelne Produkt exakt 2,9 Prozent teurer geworden ist. Hinter dem Durchschnitt verbergen sich erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Gütergruppen.
Energie wird zum entscheidenden Preistreiber
Besonders stark fällt derzeit die Entwicklung der Energiepreise ins Gewicht.
Nach den vorläufigen Daten lagen die Energiepreise im August 10,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.
Damit verteuerte sich Energie erheblich stärker als der gesamte Verbraucherpreisindex.
Das ist für die weitere Inflationsentwicklung von besonderer Bedeutung. Energie gehört zu den Bereichen, deren Preisbewegungen weit über den unmittelbaren Verbrauch hinausreichen können.
Steigen beispielsweise Kraftstoff- und andere Energiekosten, verteuert das möglicherweise Transporte. Höhere Energiekosten können außerdem Unternehmen treffen, die für Produktion, Kühlung, Lagerung oder andere betriebliche Prozesse viel Energie benötigen.
Ob und in welchem Umfang Unternehmen solche Mehrkosten an ihre Kunden weitergeben können, hängt allerdings von Branche, Wettbewerb und Marktsituation ab.
Nahostkonflikt belastet Energiemärkte
Eine wichtige Rolle spielt dabei die internationale Entwicklung an den Energiemärkten.
Die Ölpreise stehen aufgrund des anhaltenden Nahostkonflikts unter Druck. Politische und militärische Unsicherheit in wichtigen Förder- und Transporträumen kann die Erwartungen der Marktteilnehmer und damit die Rohstoffpreise erheblich beeinflussen.
Für Deutschland ist das von besonderer Bedeutung, weil die Bundesrepublik bei fossilen Energieträgern stark von Importen abhängig ist.
Steigende Rohölpreise können sich deshalb mit zeitlicher Verzögerung an Tankstellen sowie bei weiteren Mineralölprodukten bemerkbar machen.
Niedrigwasser auf dem Rhein verschärft die Situation
Hinzu kommt ein Problem, das mit der internationalen Energiepolitik zunächst wenig zu tun hat: Niedrige Wasserstände auf dem Rhein können den Transport verteuern.
Der Rhein ist eine der wichtigsten Verkehrsadern für den deutschen Gütertransport.
Über den Fluss werden unter anderem große Mengen an Rohstoffen, Kraftstoffen und anderen Massengütern transportiert.
Sinkt der Wasserstand stark, können Frachtschiffe teilweise nicht mehr vollständig beladen werden. Für die gleiche Warenmenge werden dann mehr Transporte benötigt oder Güter müssen teilweise auf andere, möglicherweise teurere Transportwege ausweichen.
Damit kann aus einem meteorologischen Problem schnell ein wirtschaftlicher Kostenfaktor werden.
Gerade bei Energieprodukten kann sich eine eingeschränkte Transportkapazität auf dem Rhein deshalb zusätzlich auf die Versorgungskosten auswirken.
Lebensmittelpreise bleiben überraschend ruhig
Eine deutlich andere Entwicklung zeigt sich bei Lebensmitteln.
Hier lagen die Preise im August nach den vorläufigen Zahlen lediglich 0,1 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Damit war der Preisdruck bei Nahrungsmitteln zuletzt erheblich geringer als bei Energie.
Für Verbraucher ist das durchaus relevant, denn Lebensmittel gehören zu den Ausgaben, die sich im Alltag kaum vermeiden lassen.
Allerdings bedeutet eine geringe aktuelle Jahresteuerungsrate nicht, dass Lebensmittel wieder auf das Preisniveau früherer Jahre zurückgefallen sind.
Eine Inflationsrate misst immer die Veränderung gegenüber einem bestimmten Vergleichszeitraum.
Wenn Preise zuvor bereits deutlich gestiegen sind und anschließend weitgehend stabil bleiben, sinkt zwar die aktuelle Inflationsrate – das zuvor erreichte Preisniveau bleibt aber bestehen.
Inflation von 2,9 Prozent bedeutet nicht, dass Preise wieder sinken
Genau dieser Unterschied wird in der öffentlichen Diskussion über Inflation häufig übersehen.
Eine sinkende Inflationsrate bedeutet zunächst nur, dass sich die Preise langsamer erhöhen.
Erst bei einer negativen Inflationsrate würde das allgemeine Preisniveau gegenüber dem entsprechenden Vergleichszeitraum tatsächlich zurückgehen.
Das erklärt, warum Verbraucher trotz zeitweise deutlich niedrigerer Inflationsraten weiterhin das Gefühl haben können, dass ihr Alltag erheblich teurer geworden ist.
Die großen Preissteigerungen der vergangenen Jahre verschwinden nicht automatisch, nur weil die Inflationsrate zwischenzeitlich zurückgeht.
Kerninflation bleibt ebenfalls über zwei Prozent
Auch jenseits der stark schwankenden Energie- und Lebensmittelpreise ist der Preisdruck noch nicht vollständig verschwunden.
Die sogenannte Kerninflation – also die Teuerung ohne Energie und Nahrungsmittel – liegt nach den vorläufigen August-Zahlen bei 2,4 Prozent.
Damit befindet sich auch diese Kennzahl weiterhin oberhalb der Zwei-Prozent-Marke.
Die Kerninflation wird von Ökonomen besonders aufmerksam beobachtet, weil sie Hinweise darauf liefern kann, wie breit der Preisauftrieb innerhalb einer Volkswirtschaft tatsächlich ist.
Wenn lediglich Energie vorübergehend teurer wird, kann sich dieser Effekt vergleichsweise schnell wieder umkehren.
Bleiben dagegen auch viele Dienstleistungen und andere Güter dauerhaft teurer, spricht dies für einen breiter verankerten Preisdruck.
Dienstleistungen bleiben ein wichtiger Faktor
Auch Dienstleistungen verteuern sich weiter.
Für private Haushalte ist diese Entwicklung relevant, weil Dienstleistungen einen großen Teil ihrer laufenden Ausgaben ausmachen.
Dazu zählen beispielsweise gastronomische Angebote, Versicherungen, Reparaturen, persönliche Dienstleistungen oder zahlreiche andere Bereiche.
Anders als bei Rohstoffen reagieren Dienstleistungspreise häufig weniger schnell auf kurzfristige Schwankungen.
Ein Grund dafür sind Personalkosten. Steigen Löhne und andere betriebliche Kosten, können sich diese über längere Zeit in den Preisen widerspiegeln.
Was bedeutet die höhere Inflation für die Kaufkraft?
Für Verbraucher ist letztlich entscheidend, wie sich Preise und Einkommen zueinander entwickeln.
Steigen die Einkommen stärker als die Lebenshaltungskosten, kann die reale Kaufkraft trotz Inflation zunehmen.
Bleiben Lohn- und Einkommenssteigerungen dagegen hinter der Preisentwicklung zurück, können sich Haushalte real weniger leisten.
Eine Inflationsrate von 2,9 Prozent bedeutet deshalb nicht automatisch für jeden Haushalt den gleichen Kaufkraftverlust.
Die persönliche Inflationsbelastung hängt stark davon ab, wofür jemand sein Geld ausgibt.
Wer beispielsweise einen besonders hohen Anteil seines Einkommens für Energie aufbringen muss, kann derzeit deutlich stärker betroffen sein als ein Haushalt, bei dem diese Kosten nur eine geringe Rolle spielen.
Energie könnte zum Risiko für die kommenden Monate werden
Für die weitere Entwicklung wird deshalb entscheidend sein, wie lange die hohen Energiepreise anhalten.
Sollten sich die internationalen Energiemärkte beruhigen und die Ölpreise wieder zurückgehen, könnte auch der Inflationsdruck nachlassen.
Bleiben Energie und Öl dagegen teuer oder steigen die Preise weiter, könnte dies die allgemeine Teuerung länger belasten.
Hinzu kommen mögliche Zweitrundeneffekte.
Unternehmen, deren Energie-, Transport- oder Produktionskosten steigen, können versuchen, zumindest einen Teil dieser Belastung an ihre Kunden weiterzugeben.
Das geschieht allerdings nicht automatisch und auch nicht in allen Branchen im gleichen Umfang.
Die Zwei-Prozent-Marke rückt wieder weiter weg
Die August-Zahlen sind deshalb mehr als nur eine statistische Veränderung um 0,1 Prozentpunkte.
Mit einer voraussichtlichen Inflationsrate von 2,9 Prozent liegt Deutschland wieder deutlicher über der Zwei-Prozent-Marke.
Gleichzeitig zeigt die Zusammensetzung der Inflation ein ungewöhnlich klares Bild:
Während Lebensmittel gegenüber dem Vorjahr nahezu stabil bleiben, entwickelt sich Energie mit einem zweistelligen Preisanstieg zum zentralen Belastungsfaktor.
Für Verbraucher dürfte deshalb in den kommenden Monaten besonders entscheidend sein, was an den internationalen Öl- und Energiemärkten geschieht.
Denn ausgerechnet dort entstehen derzeit die größten Risiken für eine erneute stärkere Teuerungswelle.
Noch handelt es sich bei den August-Zahlen um vorläufige Ergebnisse. Dennoch ist die Richtung deutlich: Die Inflation ist wieder auf 2,9 Prozent gestiegen – und die Energiepreise entwickeln sich zunehmend zum Problem für Verbraucher und Wirtschaft.

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