Seit einigen Monaten setzt sich in den Medien eine Sichtweise durch, nach der eine höhere Teuerungsrate zu sinkenden Goldpreisen führen soll. Wenn nämlich die Preise steigen, so meint man, sind die Notenbanken gezwungen, die Leitzinsen anzuheben, was – so die Erklärung – schlecht für Gold ist, weil es keine Zinsen abwirft. An dieser Sichtweise sind sowohl die Annahmen als auch die daraus gezogenen Schlüsse falsch. Die Notenbanken können die Zinsen nicht anheben, ohne den Staatsbankrott auszulösen, weil die meisten großen Staaten heillos überschuldet sind und schon jetzt einen erheblichen Teil ihres Haushalts für Zinsen einsetzen. Hier ist kein Spielraum. Auch die Annahme, Gold werfe keine Zinsen ab, ist nicht richtig. Weltweit werden ständig Goldbestände gegen Zinsen vermietet. Im Rahmen der Vertragsfreiheit ist dies auch Privatanlegern möglich. Ob es sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt.
Inflation bezeichnet ursprünglich die Vergrößerung der Geldmenge, inzwischen verwendet man den Begriff als Bezeichnung für den Kaufkraftverlust einer Währung, der sich im Anstieg der Preise zeigt. Wenn das allgemeine Preisniveau für Güter und Dienstleistungen steigt, spiegelt sich dies unmittelbar in den Rohstoffmärkten wider, weil auch sie Güter sind und ihre Preise steigen, sobald die Kaufkraft sinkt. Inflation führt folglich „automatisch“ zum Anstieg der Edelmetallpreise. Dies geschieht auch aufgrund der steigenden Kosten für Energie (Öl, Gas) und Transport. Dies erhöht die Förderkosten für die sehr energieintensiven Metalle. Diese angebotsseitige Inflation treibt die Preise direkt nach oben.
Die Reaktionen der Notenbanken sind eins, die Erwartungen der Anleger hierüber sind etwas anderes. Die Erhöhung der Leitzinsen führt zwar zu einem höheren Zinsniveau und macht somit zinslose Anlagen (Bargeld, Girokonto usw.) tendenziell weniger attraktiv, aber Edelmetallanleger werden nicht wegen eines halben Prozentpunkts ihr Paradigma wechseln. Sie haben ihre Entscheidung für die Geldanlage in Edelmetalle in der Erwartung des Kaufkraftverlusts ihrer Währung getroffen, weshalb Staatsanleihen ihrem Analgekonzept zuwiderlaufen. Um die Preissteigerung, die durch überhitzte Wirtschaft ausgelöst wird, zu bekämpfen, erhöhen Zentralbanken die Leitzinsen. Die Ursachen der jetzigen Preissteigerung liegt aber im sinkenden Vertrauen der Menschen in das Fiat-Geld und in den ausufernden Ausgaben der Regierungen. Entscheidend ist übrigens nicht der Nominalzins, sondern der Realzins. Gold korreliert historisch gesehen negativ mit dem Realzins, sofern weitere Faktoren entfallen. Wenn die Inflation höher ist als der Zinssatz, den man auf der Bank erhält (negativer Realzins), bleibt Gold trotz steigender Leitzinsen attraktiv.
Dabei reagieren Gold und Silber auch noch unterschiedlich. Gold reagiert primär auf psychologische Faktoren, Währungsängste und die Realzinsentwicklung. Es gilt als „sicherer Hafen“. In Phasen der Stagflation (hohe Inflation bei stagnierendem Wirtschaftswachstum) schneidet Gold historisch gut ab. Silber hat eine starke industrielle Komponente (Photovoltaik, Elektronik). In einer Inflation, die durch eine starke Wirtschaftsentwicklung getrieben wird, kann sich der Silberpreis sehr gut entwickeln. Droht jedoch eine Rezession, leidet Silber unter der sinkenden Industrienachfrage, während Gold stabil bleiben kann. Gegen Zinsanhebungen spricht auch, daß sie diese Rezession auslösen würde.
In einem inflationären Umfeld ist ein ausgewogenes Vorgehen entscheidend. Eine Kombination aus Industrierohstoffen (Silber, Platin, Palladium) für das Wachstumsszenario und Gold für das Krisenszenario deckt beide Möglichkeiten gut ab. Nutzen Sie Kursrücksetzer, die durch „Zinsangst“ entstehen: Oft übertreibt der Markt bei der Erwartung von Zinsschritten. Sobald die Zinskurve ihren Höhepunkt erreicht hat (Pivot-Point), beginnen Edelmetalle meist eine langfristige Rallye.

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