Warum der Silberpreis Gold deutlich hinter sich lässt

Warum der Silberpreis Gold deutlich hinter sich lässt

Veröffentlicht:

Donnerstag, 29.01.2026
von Red. LF

Der Silberpreis erlebt einen historischen Höhenflug. Innerhalb von nur zwölf Monaten ist der Preis für das Edelmetall um rund 270 Prozent gestiegen und hat damit sogar die Entwicklung des Goldpreises deutlich übertroffen. Für viele Marktbeobachter kommt diese Dynamik überraschend, gilt Silber doch traditionell als „kleiner Bruder“ des Goldes. Doch die aktuellen Entwicklungen zeigen: Silber folgt eigenen Gesetzen – und profitiert derzeit von einer außergewöhnlichen Kombination aus Angebotsengpässen, steigender Industrienachfrage und spekulativem Interesse.

Silber: Edelmetall und Industriemetall zugleich

Ein entscheidender Unterschied zwischen Gold und Silber liegt in der Nutzung. Während Gold überwiegend als Wertaufbewahrungsmittel und Absicherung gegen Krisen dient, ist Silber ein stark nachgefragtes Industriemetall. Es wird unter anderem in der Photovoltaik, in der Elektromobilität, in der Elektronikindustrie und in der Medizintechnik eingesetzt. Genau diese industrielle Komponente treibt den Preis aktuell besonders stark.

Mit dem weltweiten Ausbau erneuerbarer Energien ist die Nachfrage nach Silber deutlich gestiegen. Solarmodule benötigen Silber für ihre Leitbahnen, und auch die Elektrifizierung von Fahrzeugen erhöht den Bedarf. Experten sprechen von einer strukturellen Nachfragesteigerung, die sich nicht kurzfristig abschwächen dürfte.

Angebotsengpässe verschärfen die Lage

Parallel zur steigenden Nachfrage gerät das Angebot unter Druck. Silber wird häufig als Nebenprodukt beim Abbau anderer Metalle wie Kupfer, Zink oder Blei gewonnen. Sinkende Fördermengen oder Produktionsverzögerungen in diesen Bereichen wirken sich daher unmittelbar auf den Silbermarkt aus. Neue Silberminen sind selten, Genehmigungsverfahren langwierig und Investitionen in den Bergbau kostenintensiv.

Diese Angebotsknappheit verstärkt die Preisdynamik erheblich. Während Gold relativ stabil gefördert wird und große Lagerbestände existieren, ist der physische Silbermarkt deutlich enger. Schon vergleichsweise kleine Verschiebungen von Angebot und Nachfrage können daher starke Preisbewegungen auslösen.

Nachholbedarf nach Jahren der Unterbewertung

Viele Analysten sehen im aktuellen Preisanstieg auch eine Korrektur. Über Jahre galt Silber im Verhältnis zu Gold als unterbewertet. Das sogenannte Gold-Silber-Verhältnis, das angibt, wie viele Unzen Silber für eine Unze Gold benötigt werden, lag lange Zeit auf historisch hohen Niveaus. Mit dem jüngsten Preissprung holt Silber einen Teil dieses Rückstands auf.

Für Investoren, die auf relative Bewertungen achten, war Silber damit besonders attraktiv. Als der Preisanstieg einmal einsetzte, zog er weiteres Kapital an und verstärkte die Bewegung.

Spekulatives Kapital beschleunigt den Anstieg

Hinzu kommt der Einfluss der Finanzmärkte. Silber ist deutlich volatiler als Gold. Das macht es für spekulative Anleger interessant, die auf schnelle Gewinne setzen. Steigende Preise ziehen weitere Käufer an, während Short-Positionen unter Druck geraten und eingedeckt werden müssen. Diese Mechanismen können Preisschübe zusätzlich beschleunigen.

Gold hingegen gilt als „sicherer Hafen“ und entwickelt sich in der Regel stabiler. In Phasen starker Marktbewegungen bleibt der Goldpreis oft vergleichsweise ruhig, während Silber deutlich stärker ausschlägt – nach oben wie nach unten.

Chancen und Risiken für Anleger

Der starke Preisanstieg weckt bei vielen Privatanlegern Interesse. Experten mahnen jedoch zur Vorsicht. Die hohe Dynamik macht Silber anfällig für Korrekturen. Wer einsteigt, sollte sich der starken Schwankungen bewusst sein und Silber eher als Beimischung im Portfolio betrachten.

Gleichzeitig sprechen die strukturellen Faktoren – insbesondere die industrielle Nachfrage und die Angebotslage – dafür, dass Silber langfristig weiter gefragt bleibt. Anders als bei Gold hängt die Zukunft des Silberpreises weniger von Geldpolitik und Krisenstimmung ab, sondern zunehmend von technologischen und wirtschaftlichen Entwicklungen.

Fazit

Dass der Silberpreis derzeit stärker steigt als Gold, ist kein Zufall. Die Kombination aus wachsender Industrienachfrage, knapper Förderung, jahrelanger Unterbewertung und spekulativem Rückenwind hat eine außergewöhnliche Dynamik entfacht. Silber ist damit aus dem Schatten des Goldes getreten – allerdings um den Preis deutlich höherer Risiken. Für Anleger bedeutet das: große Chancen, aber auch die Notwendigkeit, genau hinzuschauen.

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