Dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der insolventen Wirecard AG, Markus Braun, droht im Bilanzskandal um den ehemaligen DAX-Konzern eine mehr als zehnjährige Freiheitsstrafe. Das geht aus einem aktuellen Beschluss des Oberlandesgerichts (OLG) München vom 4. Dezember hervor, wie das Handelsblatt berichtet.
Das Gericht wies darin Brauns Beschwerde gegen seine seit über fünfeinhalb Jahren andauernde Untersuchungshaft zurück – mit Verweis auf den fortbestehenden dringenden Tatverdacht und das erhebliche Risiko einer Flucht.
Über 200 Zeugenaussagen belasten Ex-Vorstand
Braun steht seit Dezember 2022 gemeinsam mit zwei weiteren früheren Führungskräften in München vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, über Jahre hinweg Scheingeschäfte in Milliardenhöhe erfunden und die Unternehmensbilanzen manipuliert zu haben.
Laut OLG stützt sich der Tatverdacht unter anderem auf mehr als 200 Zeugenaussagen aus über 230 Hauptverhandlungsterminen. Die Vorwürfe gegen Braun hätten sich im Laufe des Verfahrens weiter erhärtet. Die Richter gehen inzwischen von einem für die Strafzumessung relevanten Schaden in Höhe von mindestens 747 Millionen Euro aus.
Millionen verschwunden – Fluchtgefahr bleibt hoch
Ein wesentlicher Grund für die fortdauernde Untersuchungshaft bleibt laut Gericht die Fluchtgefahr. Es gebe Hinweise darauf, dass Braun Vermögenswerte in zweistelliger Millionenhöhe beiseitegeschafft habe, die für eine mögliche Flucht genutzt werden könnten. Wo sich dieses Geld befindet, sei weiterhin unklar.
Markus Braun bestreitet sämtliche Vorwürfe und betont, sich dem Verfahren weiterhin stellen zu wollen. Die Beweisaufnahme soll laut Planung im ersten Quartal 2026 abgeschlossen werden. Ein Urteil wird im Laufe des zweiten Quartals desselben Jahres erwartet.
