Sachwerte bleiben im Private Banking gefragt: Immobilien und Infrastruktur im Fokus

Sachwerte bleiben im Private Banking gefragt: Immobilien und Infrastruktur im Fokus

Veröffentlicht:

Freitag, 21.08.2026
von Red. LF

Sachwertanlagen spielen bei vermögenden Privatkunden weiterhin eine wichtige Rolle. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten, veränderter Zinsbedingungen und der zeitweise schwierigen Lage am Immobilienmarkt setzen Private-Banking-Anbieter auch 2026 auf Immobilien und Infrastruktur. Besonders gefragt sind Wohn- und Logistikimmobilien sowie Energie- und Verkehrsinfrastruktur. Das geht aus der Branchenumfrage „Zukunft von Sachwertanlagen im Private Banking 2026“ hervor.

Für die Untersuchung wurden 43 Private-Banking-Einheiten befragt, überwiegend Vermögensverwaltungen, Privatbanken und Wealth-Management-Bereiche. Durchgeführt wurde die Befragung im November und Dezember 2025 von RUECKERCONSULT, Edelstoff Media und Scope in Kooperation mit Quadoro Investment und EB-SIM.

Werterhalt steht an erster Stelle

Die Gründe für das Interesse an Sachwerten sind deutlich: 78 Prozent der Befragten nennen den Werterhalt als wichtiges Anlageziel. 62 Prozent sehen die Diversifikation des Vermögens als wesentlich an. Für 57 Prozent gehört außerdem die Gesamtrendite zu den entscheidenden Zielen.

Damit geht es beim Einsatz von Sachwerten offenbar nicht ausschließlich darum, eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Sie sollen vielmehr Bestandteil einer breiter angelegten Vermögensstrategie sein.

Sachwerte unterscheiden sich dabei teilweise erheblich voneinander. Eine vermietete Immobilie kann laufende Mieteinnahmen generieren, während Energie- oder Infrastrukturprojekte Einnahmen aus ihrer wirtschaftlichen Nutzung erzielen können. Gold wiederum erzeugt keine laufenden Erträge; der Anlageerfolg hängt dort wesentlich von der Entwicklung des Goldpreises ab.

Mehr als 90 Prozent bieten Private-Markets-Anlagen an

Die Umfrage zeigt, wie stark alternative Anlagen inzwischen im Private Banking vertreten sind. Mehr als 90 Prozent der befragten Institute bieten ihren Kunden Private-Markets-Produkte an. 92 Prozent haben Immobilienprodukte im Angebot.

Immobilien bleiben damit ein Kernbereich der Sachwertanlage. Besonders im Mittelpunkt stehen Wohnimmobilien in Deutschland. Daneben spielen Büro- und Logistikimmobilien in Europa und den USA eine Rolle. Bei den Anlageformen dominieren Direktanlagen, gefolgt von offenen semi-liquiden und geschlossenen Strukturen.

Gerade Wohnimmobilien besitzen aus Sicht langfristig orientierter Anleger eine Besonderheit: Die Nachfrage nach Wohnraum ist nicht unmittelbar von der Entwicklung der Aktienmärkte abhängig. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass Immobilien automatisch sichere Investments sind. Kaufpreis, Finanzierungskosten, Lage, energetischer Zustand, Mietentwicklung und notwendige Investitionen können die tatsächliche Rendite erheblich beeinflussen.

Logistikimmobilien bleiben interessant

Neben Wohnungen gehören Logistikimmobilien zu den gefragten Bereichen. Lager-, Verteil- und Logistikzentren sind ein wesentlicher Bestandteil moderner Warenströme und profitieren unter anderem von langfristigen Veränderungen bei Handel und Lieferketten.

Für Anleger ist allerdings auch hier eine differenzierte Betrachtung erforderlich. Entscheidend sind beispielsweise Standort, Mieterstruktur, Vertragslaufzeiten und die langfristige Nutzbarkeit eines Objekts. Ein Sachwert ist nicht allein deshalb wertstabil, weil hinter einer Anlage ein Gebäude oder Grundstück steht.

Infrastruktur entwickelt sich zur wichtigen Anlageklasse

Noch auffälliger ist die zunehmende Bedeutung von Infrastruktur. Nach den Ergebnissen der Untersuchung bieten inzwischen rund zwei Drittel der befragten Banken Infrastrukturprodukte an. Besonders gefragt sind Energie-, Verkehrs- und Ladeinfrastruktur.

Damit erweitert sich das klassische Verständnis von Sachwertanlagen. Neben Immobilien und Edelmetallen können beispielsweise Anlagen aus den Bereichen erneuerbare Energien und Infrastruktur Bestandteil eines Sachwerte-Portfolios werden.

Photovoltaik- und Windenergieanlagen verbinden beispielsweise einen physischen Vermögenswert mit der Möglichkeit laufender Einnahmen aus der Energieproduktion. Infrastrukturinvestments können wiederum langfristige Zahlungsströme ermöglichen.

Banken erwarten unterschiedliche Renditen

Interessant ist auch, welche Renditen die befragten Private-Banking-Anbieter von den unterschiedlichen Anlageklassen erwarten. Bei Immobilieninvestments liegt die mehrheitlich genannte Mindestrendite zwischen vier und fünf Prozent. Bei Infrastrukturanlagen werden überwiegend fünf bis sieben Prozent erwartet.

Diese Zahlen sind allerdings keine Renditegarantien. Sachwertanlagen können ebenso Wertverluste verursachen. Hinzu kommt, dass bestimmte Beteiligungs- und Fondsmodelle langfristig angelegt sind und Anleger möglicherweise nicht kurzfristig über ihr investiertes Kapital verfügen können.

Gerade bei alternativen Investments können die Laufzeiten erheblich sein. Bei manchen Sachwertefonds liegt die vorgesehene Mindestlaufzeit beispielsweise oberhalb von zehn Jahren; gleichzeitig kann die Liquidität eingeschränkt sein.

Nachfrage insgesamt erstaunlich stabil

Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds zeichnet die Umfrage kein Bild eines einbrechenden Sachwertmarktes. Die Entwicklung der Kundennachfrage fällt zwar je nach Institut unterschiedlich aus, insgesamt wird sie jedoch als stabil beschrieben.

Das zeigt sich auch beim tatsächlich platzierten Kapital: 40 Prozent der befragten Institute meldeten für die vergangenen zwölf Monate ein leicht gestiegenes Platzierungsvolumen. Bei 38 Prozent blieb das Volumen konstant. Lediglich zwölf Prozent berichteten von einem Rückgang.

Damit haben die vergangenen Jahre mit Inflation, steigenden Finanzierungskosten und Unsicherheiten am Immobilienmarkt offenbar nicht dazu geführt, dass vermögende Kunden Sachwerte grundsätzlich meiden.

Auch Private Equity und Private Debt gewinnen an Bedeutung

Der Sachwert- und Private-Markets-Bereich beschränkt sich im Private Banking inzwischen zudem nicht mehr auf Immobilien und Infrastruktur. Laut der Untersuchung bieten 84 Prozent der Banken Private Equity und 68 Prozent Private Debt an. Dabei kommen insbesondere geschlossene und semi-liquide Strukturen sowie teilweise ELTIFs zum Einsatz.

Das zeigt einen grundlegenden Wandel in der Vermögensverwaltung: Neben klassischen börsengehandelten Aktien und Anleihen erhalten Anlagen außerhalb öffentlicher Kapitalmärkte mehr Raum.

Sachwert bedeutet nicht automatisch Sicherheit

Die zunehmende Nachfrage sollte allerdings nicht mit Risikolosigkeit verwechselt werden. Gerade der Begriff „Sachwert“ vermittelt schnell den Eindruck einer besonders sicheren Geldanlage. Tatsächlich hängen Chancen und Risiken stark vom jeweiligen Investment ab.

Bei Immobilien können beispielsweise Wertverluste, Leerstände, steigende Sanierungskosten oder eine ungünstige Finanzierung die Rendite belasten. Bei Infrastrukturprojekten können Bau-, Betriebs-, Finanzierungs- und regulatorische Risiken hinzukommen. Geschlossene Beteiligungen wiederum können Anleger über lange Zeiträume an ein Investment binden.

Interessant ist deshalb ein weiteres Ergebnis aus dem Branchenumfeld: Als bedeutende Herausforderung wird das Reputationsrisiko durch unerfahrene Asset Manager genannt. Damit rückt neben der Auswahl der Anlageklasse zunehmend die Frage in den Mittelpunkt, wer das Investment tatsächlich verwaltet.

Aus einzelnen Sachwerten wird ein Sachwerte-Portfolio

Insgesamt deutet die Entwicklung darauf hin, dass sich das Verständnis von Sachwertanlagen verändert. Früher standen häufig Immobilien und Gold im Mittelpunkt. Heute kommen erneuerbare Energien, Verkehrs- und Energieinfrastruktur sowie weitere alternative Anlagen hinzu.

Für vermögende Anleger geht es damit zunehmend weniger um die Entscheidung „Immobilie oder Gold?“, sondern um die Frage, wie unterschiedliche reale Vermögenswerte miteinander kombiniert werden können.

Wohn- und Logistikimmobilien können dabei eine Säule bilden, Energie- und Infrastrukturinvestments eine weitere. Andere Anlageklassen können das Portfolio ergänzen. Das zentrale Motiv dahinter bleibt laut der Private-Banking-Umfrage jedoch bemerkenswert klassisch: Vermögen erhalten und Risiken durch Diversifikation breiter verteilen.

Die Zeitung für Anleger in Sachwerte
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