Sachwerte gelten seit Langem als Möglichkeit, Vermögen breiter aufzustellen und sich teilweise gegen Inflation und wirtschaftliche Unsicherheiten abzusichern. Doch der Markt verändert sich. Während früher vor allem Immobilien und Gold im Mittelpunkt standen, rücken inzwischen Photovoltaik, Windenergie, Energie- und Verkehrsinfrastruktur sowie weitere alternative Anlagen stärker in den Fokus.
Der Trend zeigt sich auch im Private Banking. Eine 2026 veröffentlichte Branchenumfrage unter 43 Private-Banking-Einheiten kommt zu dem Ergebnis, dass Sachwertanlagen weiterhin einen wichtigen Bestandteil der Vermögensberatung darstellen. Besonders gefragt sind Wohn- und Logistikimmobilien sowie Energie- und Verkehrsinfrastruktur. Als Anlageziele stehen dabei vor allem Werterhalt und Diversifikation im Vordergrund.
Immobilien bekommen neue Konkurrenz
Immobilien bleiben dennoch ein Schwergewicht. Nach Berechnungen des Flossbach von Storch Research Institute entfielen zuletzt rund 64 Prozent des gesamten Vermögens deutscher Privathaushalte auf Immobilien. Im ersten Quartal 2026 lagen die Immobilienpreise zudem 2,4 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Nach der schwierigen Phase mit steigenden Zinsen und rückläufigen Transaktionen zeichnet sich damit eine gewisse Stabilisierung ab. Für Anleger bleibt jedoch entscheidend, welche Immobilie gekauft wird. Lage, energetischer Zustand, Finanzierungskosten, Mietentwicklung und notwendige Investitionen können erheblichen Einfluss auf die tatsächliche Rendite haben.
Gold: Sicherheit ohne laufende Einnahmen
Ganz anders funktioniert Gold. Das Edelmetall wird insbesondere in Zeiten geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheit als Absicherung betrachtet. 2026 erreichte Gold zeitweise neue Rekordmarken.
Der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Sachwerten: Gold erzeugt keinen laufenden Cashflow. Eine vermietete Immobilie kann Mieteinnahmen liefern, eine Solaranlage Stromerlöse und Infrastrukturinvestitionen können langfristige Zahlungsströme erwirtschaften. Bei Gold hängt der Anlageerfolg dagegen wesentlich von der Preisentwicklung ab.
Photovoltaik und Energieinfrastruktur rücken nach vorn
Gerade erneuerbare Energien erweitern deshalb das traditionelle Verständnis von Sachwertanlagen. Anleger investieren nicht nur in einen physischen Vermögenswert, sondern mittelbar oder unmittelbar in Anlagen, die Strom produzieren und damit laufende Einnahmen erzielen können.
Auch professionelle Anbieter sehen inzwischen Immobilien, Windkraft- und Photovoltaikanlagen, Infrastruktur und Private Equity als unterschiedliche Bestandteile des Sachwertsegments.
Besonders Infrastruktur erhält durch Energiewende und Digitalisierung zusätzliche Aufmerksamkeit. Investitionen werden unter anderem für Stromnetze, Speicher, Rechenzentren und weitere digitale Infrastruktur benötigt. Hinzu kommen langfristige Investitionen in Verkehrs- und Energieversorgung.
Rendite allein reicht für den Vergleich nicht
Damit wird die Entscheidung für Anleger allerdings komplizierter. Die Frage lautet nicht mehr nur: Immobilie oder Gold? Wer Sachwerte vergleichen möchte, muss mehrere Faktoren gleichzeitig berücksichtigen.
Rendite, Risiko, Liquidität und Kosten spielen dabei eine zentrale Rolle. Gold lässt sich beispielsweise vergleichsweise schnell verkaufen. Eine direkte Immobilie ist wesentlich weniger liquide und verursacht beim Kauf und Verkauf erhebliche Nebenkosten. Beteiligungen an Infrastruktur- oder Energieprojekten können wiederum langfristig angelegt sein und eigene Projekt-, Betreiber-, Finanzierungs- und regulatorische Risiken mitbringen.
Auch eine hohe prognostizierte Rendite sollte deshalb nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist, welches Risiko dafür übernommen werden muss, wie lange das Kapital gebunden ist und welche Kosten während der gesamten Laufzeit entstehen.
Vom einzelnen Sachwert zum Sachwerte-Portfolio
Die Entwicklung deutet deshalb auf einen grundsätzlichen Wandel hin: Sachwertanlage wird zunehmend als Mischung verschiedener realer Vermögenswerte verstanden. Immobilien können laufende Mieten liefern, Gold kann der Absicherung dienen, Photovoltaik und Windkraft verbinden physische Anlagen mit Energieerlösen und Infrastruktur kann langfristige Zahlungsströme ermöglichen.
Gerade diese unterschiedlichen Eigenschaften machen den Vergleich interessant. Gleichzeitig gibt es keinen Sachwert, der automatisch Sicherheit und hohe Rendite miteinander verbindet. Wer Sachwerte auswählt, muss vielmehr entscheiden, was wichtiger ist: laufende Erträge, Inflationsschutz, schnelle Verfügbarkeit des Kapitals oder langfristiger Vermögensaufbau.
Damit könnten Immobilien und Gold zwar zentrale Bestandteile der Sachwertwelt bleiben – doch sie stehen längst nicht mehr allein. Energie und Infrastruktur entwickeln sich zunehmend zu einer dritten großen Säule für Anleger, die ihr Vermögen über klassische Finanzanlagen hinaus diversifizieren wollen.

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