Die Inflation rückt wieder stärker in den Fokus der Anleger. Erst am 13. August 2026 hat die Stiftung Warentest eine aktuelle Analyse veröffentlicht, die der Frage nachgeht, wie sich Vermögen gegen den schleichenden Kaufkraftverlust absichern lässt. Neben Aktien und verzinslichen Anlagen stehen dabei insbesondere klassische Sachwerte wie Gold und Immobilien im Mittelpunkt.
Inflation nagt wieder stärker am Vermögen
Hintergrund ist eine erneute Beschleunigung des Preisauftriebs. Nach Angaben der Stiftung Warentest lag die deutsche Inflationsrate im Juli 2026 bei 2,8 Prozent. Besonders auffällig entwickelte sich die Energie: Sie verteuerte sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,3 Prozent. Als Belastungsfaktoren nennt Warentest unter anderem höhere Energie- und Transportkosten infolge der geopolitischen Spannungen.
Für Anleger ist dabei nicht allein die offiziell ausgewiesene Inflationsrate entscheidend. Entscheidend ist die Realrendite – also das, was nach Abzug der Geldentwertung tatsächlich vom Ertrag einer Anlage übrig bleibt.
Wer beispielsweise dauerhaft 2 Prozent Verzinsung erhält, während die Lebenshaltungskosten um 2,8 Prozent steigen, verliert trotz nominal wachsendem Kontostand real Kaufkraft.
Gold: Krisenschutz mit starken Schwankungen
Gold gehört zu den bekanntesten Sachwerten, wenn Anleger einen Schutz vor Geldentwertung und Krisen suchen. Gerade das Jahr 2025 zeigte, welche Kurschancen damit verbunden sein können: Nach Angaben der Stiftung Warentest legte Gold im vergangenen Jahr um rund 45 Prozent zu.
Allerdings sollte diese außergewöhnliche Wertentwicklung nicht einfach fortgeschrieben werden. Bereits im März 2026 bezeichnete Stiftung Warentest Gold zwar als sinnvolle Beimischung, die zur Stabilität eines Vermögens beitragen kann. Gold produziert jedoch keine laufenden Erträge wie Zinsen oder Unternehmensgewinne. Seine Rendite hängt letztlich davon ab, wie sich der Goldpreis entwickelt.
Für Sachwert-Anleger bedeutet das: Gold kann ein Baustein zur Risikostreuung sein, ist aber kein Sparbuch mit eingebautem Inflationsschutz.
Immobilien: Sachwert ja – Inflationsgarantie nein
Auch Immobilien werden traditionell als Schutz vor Inflation betrachtet. Die Überlegung dahinter ist nachvollziehbar: Grundstücke und Gebäude sind reale, begrenzte Vermögenswerte. Gleichzeitig können Mieteinnahmen langfristig steigen.
Doch auch hier sollten Anleger den Begriff „Betongold“ nicht mit Sicherheit verwechseln.
Immobilienpreise hängen von Zinsen, Standort, Bevölkerungsentwicklung, Mietniveau, energetischem Zustand und Sanierungskosten ab. Bei einer fremdfinanzierten Immobilie kommt das Zinsrisiko hinzu. Steigende Bau-, Instandhaltungs- und Energiekosten können zudem einen Teil des vermeintlichen Inflationsschutzes wieder aufzehren.
Das gilt erst recht für indirekte Immobilieninvestments. Anleger müssen unterscheiden, ob sie eine eigene Immobilie, einen börsengehandelten Immobilienwert, einen offenen Immobilienfonds oder eine unternehmerische Immobilienbeteiligung erwerben. Das Etikett „Sachwert“ sagt allein wenig über Liquidität und Verlustrisiko aus.
Auch Anleihen können eine Rolle spielen
Interessant ist, dass sich Inflationsschutz keineswegs auf klassische Sachwerte beschränkt. Stiftung Warentest verweist auch auf inflationsindexierte Anleihen sowie unter bestimmten Voraussetzungen auf gewöhnliche Anleihen. Außerdem werden Rohstofffonds als mögliche Beimischung genannt.
Damit ergibt sich für Anleger ein wichtiger Grundsatz: Die Frage sollte weniger lauten, welcher einzelne Sachwert schützt mich vor Inflation?, sondern vielmehr, wie unterschiedliche Vermögenswerte gemeinsam auf Inflation, Zinsen und Krisen reagieren.
Kritische Anlegerperspektive: „Sachwert“ ist kein Qualitätssiegel
Gerade bei Kapitalanlagen wird der Begriff Sachwert gern als Verkaufsargument verwendet. Immobilien, Wind- und Solarparks, Infrastruktur, Edelmetalle, Wälder oder andere reale Vermögensgegenstände wirken greifbarer als Wertpapiere.
Das wirtschaftliche Risiko verschwindet dadurch jedoch nicht.
Eine Windkraftanlage kann hoch verschuldet sein, eine Immobilie überteuert gekauft werden und ein geschlossener Sachwertfonds hohe Kosten oder eingeschränkte Veräußerungsmöglichkeiten besitzen. Umgekehrt können solide Sachwerte innerhalb eines breit gestreuten Vermögens durchaus zur Stabilisierung beitragen.
Für Anleger sollte deshalb nicht das Wort „Sachwert“, sondern die konkrete Konstruktion entscheidend sein: Kaufpreis, Verschuldung, laufende Erträge, Kosten, Liquidität, Laufzeit, Interessenkonflikte und mögliche Verlustrisiken müssen zusammen betrachtet werden.
Fazit: Inflation macht Sachwerte interessanter – aber nicht automatisch sicherer
Die aktuelle Analyse der Stiftung Warentest zeigt, warum das Thema Inflationsschutz im August 2026 wieder an Bedeutung gewinnt. Aktien, Gold und Immobilien können grundsätzlich dazu beitragen, Vermögen langfristig gegen Kaufkraftverluste widerstandsfähiger aufzustellen.
Für Anleger wäre es jedoch gefährlich, daraus die Gleichung „Inflation steigt = Sachwerte steigen“ abzuleiten. Gold kann erheblich schwanken, Immobilien unter steigenden Zinsen und Kosten leiden und unternehmerische Sachwertanlagen bis zum Totalverlust führen.
Der wirksamste Schutz liegt deshalb häufig nicht in der Suche nach dem einen „inflationssicheren“ Sachwert, sondern in einer breiten Streuung über unterschiedliche Anlageklassen und Risiken.

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