Infrastruktur wird zum Sachwert der Zukunft: KI-Boom und Energiewende lösen Milliardenbedarf aus

Infrastruktur wird zum Sachwert der Zukunft: KI-Boom und Energiewende lösen Milliardenbedarf aus

Veröffentlicht:

Freitag, 14.08.2026
von Red. LF

Während Anleger beim Thema Künstliche Intelligenz häufig zuerst an Chiphersteller und große Technologiekonzerne denken, rückt zunehmend eine andere Anlageklasse in den Mittelpunkt: Infrastruktur. Stromnetze, Energieversorgung, Rechenzentren und Speicher bilden das Fundament für Digitalisierung, KI und Energiewende – und genau dort entsteht ein gewaltiger Investitionsbedarf.

Ein aktueller Bericht vom 13. August 2026 verweist darauf, dass die EU allein für die europäischen Stromnetze bis 2030 mit einem Investitionsbedarf von rund 600 Milliarden Euro rechnet. Stromnetzbetreiber, Versorger und andere Infrastrukturunternehmen könnten damit zu den indirekten Gewinnern des KI-Booms gehören.

KI braucht vor allem eines: enorme Mengen Strom

Hinter dem Trend steckt eine einfache Rechnung. Je mehr KI-Anwendungen, Cloud-Dienste und Rechenzentren entstehen, desto größer wird der Energiebedarf.

Wie gewaltig die Entwicklung werden könnte, zeigen aktuelle Berechnungen von McKinsey: Weltweit könnte der Stromverbrauch von Rechenzentren von rund 600 Terawattstunden im Jahr 2025 auf etwa 1.600 Terawattstunden im Jahr 2030 steigen. Für Deutschland wird bis dahin eine Rechenzentrumsleistung von rund fünf Gigawatt und ein Strombedarf von etwa 37 Terawattstunden für möglich gehalten.

Damit entsteht neben dem eigentlichen KI-Geschäft ein zweiter milliardenschwerer Markt: Die zusätzliche Rechenleistung benötigt Kraftwerke und erneuerbare Energiequellen, Übertragungs- und Verteilnetze, Umspannwerke, Batteriespeicher und leistungsfähige Netzanschlüsse.

Milliarden müssen in Europas Netze fließen

Gleichzeitig muss Europa seine Energieversorgung ohnehin für die Energiewende umbauen. Wind- und Solarparks entstehen häufig nicht dort, wo der Strom später verbraucht wird. Zusätzlich werden Elektroautos, Wärmepumpen und Industrieanlagen elektrifiziert.

Die Europäische Kommission beziffert den notwendigen Investitionsumfang inzwischen noch wesentlich breiter: Um die Ziele der Energiewende zu erreichen und eine sichere und bezahlbare Energieversorgung zu gewährleisten, seien im europäischen Energiesektor zwischen 2026 und 2030 insgesamt etwa 660 Milliarden Euro pro Jahr erforderlich. Zwischen 2031 und 2040 könnten es jährlich rund 695 Milliarden Euro sein.

Das betrifft allerdings den gesamten Energiesektor und ist deshalb nicht mit den rund 600 Milliarden Euro allein für Stromnetze gleichzusetzen.

Infrastruktur wird damit auch für Anleger interessant

Für Sachwert-Anleger ist diese Entwicklung bemerkenswert. Anders als bei einem Investment, dessen Erfolg hauptsächlich von einem einzelnen Produkt abhängt, handelt es sich bei Infrastruktur vielfach um Anlagen, die über Jahrzehnte benötigt werden.

Ein Stromnetz verschwindet nicht, weil sich ein technologischer Trend ändert. Ebenso benötigen Rechenzentren dauerhaft Stromanschlüsse, Kühlung und Energieversorgung.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Bei Teilen der Infrastruktur sind Einnahmen reguliert oder langfristig planbar. Netzbetreiber können deshalb teilweise stabilere Zahlungsströme erzielen als Unternehmen in stark konjunkturabhängigen Branchen. Auch Möglichkeiten zur Weitergabe steigender Kosten können einen gewissen Inflationsschutz bieten.

Damit weist Infrastruktur Eigenschaften auf, die Sachwert-Anleger traditionell suchen: langfristige Nutzung, reale Anlagen und vergleichsweise kalkulierbare Einnahmeströme.

Rechenzentren werden selbst zur neuen Infrastrukturklasse

Der KI-Boom verstärkt diese Entwicklung zusätzlich. In Europa sollen neue Großrechenzentren entstehen. Ende Juli startete die EU beispielsweise ein Milliardenprojekt für bis zu sieben sogenannte KI-Gigafactories. Bis zu zehn Milliarden Euro öffentliche Mittel sollen dabei weitere rund 20 Milliarden Euro privates Kapital mobilisieren.

Auch Energieunternehmen reagieren bereits.

Uniper will beispielsweise Rechenzentren an bestehenden Kraftwerksstandorten ansiedeln. Mehr als zehn geeignete Standorte in Europa wurden identifiziert. Ein Vorteil solcher Standorte ist die bereits vorhandene Energieinfrastruktur – gerade Netzanschlüsse können beim Bau neuer Rechenzentren zum entscheidenden Engpass werden.

Damit verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen klassischer Energieinfrastruktur und digitaler Infrastruktur.

Sachwerte sind trotzdem kein Selbstläufer

Der enorme Kapitalbedarf bedeutet allerdings nicht automatisch sichere Renditen.

Gerade Infrastrukturinvestments hängen stark von Regulierung, staatlichen Vorgaben und politischen Entscheidungen ab. Änderungen bei Netzentgelten, Genehmigungen, Förderprogrammen oder Renditevorgaben können die Wirtschaftlichkeit einzelner Projekte erheblich verändern.

Hinzu kommen Baukosten, steigende Finanzierungskosten, lange Projektlaufzeiten und technologische Veränderungen.

Auch bei Fonds sollten Anleger deshalb genau hinschauen. Ein Fonds mit dem Begriff „Infrastruktur“ im Namen kann schwerpunktmäßig Stromnetzbetreiber enthalten, während ein anderer in Versorger, Telekommunikation, Transportinfrastruktur oder Rechenzentren investiert. Die wirtschaftlichen Risiken können entsprechend unterschiedlich sein.

Vom KI-Boom könnte die „unsichtbare“ Infrastruktur profitieren

Für Sachwert-Anleger entsteht dennoch eine interessante langfristige Entwicklung. Der große Gewinner des KI-Zeitalters muss nicht zwangsläufig nur der Hersteller des nächsten Hochleistungschips sein.

Ohne Stromnetze, Kraftwerke, Speicher, Rechenzentren und Netzanschlüsse funktioniert die digitale Wirtschaft nicht.

Genau deshalb könnte Infrastruktur zu einem der bedeutendsten Sachwert-Themen der kommenden Jahre werden. KI, Elektrifizierung und Energiewende treffen hier gleichzeitig auf einen teilweise jahrzehntealten europäischen Kapitalstock, der modernisiert und erheblich erweitert werden muss.

Die entscheidende Frage für Anleger lautet deshalb möglicherweise künftig weniger, welche KI-Anwendung sich durchsetzt – sondern wer die Infrastruktur besitzt und betreibt, ohne die keine dieser Anwendungen funktionieren kann.

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