Auswirkungen des Irankriegs auf die Rohstoffpreise

Auswirkungen des Irankriegs auf die Rohstoffpreise

Veröffentlicht:

Dienstag, 21.07.2026
von redakteur_u

Die geopolitische Lage im Nahen Osten, insbesondere die Eskalationsdynamik rund um den Iran, fungiert als massiver Volatilitätstreiber für die globalen Rohstoffmärkte. Da der Iran nicht nur ein bedeutender Energieproduzent ist, sondern auch eine strategische Schlüsselposition an der Straße von Hormus einnimmt, lösen „unklare Entwicklungen“ – also ein Zustand permanenter Unsicherheit – spezifische Schockwellen bei Edelmetallen und Platingruppenmetallen aus.

Das Kriegsgeschehen hat direkte Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von physischen Edel- und Anlagemetallen. Ein Konflikt mit iranischer Beteiligung führt unmittelbar zu einem Risikoaufschlag auf den Ölpreis. Edelmetalle, insbesondere Gold und Platin, korrelieren historisch stark mit den Energiekosten. Die Förderung von Platingruppenmetallen in Südafrika oder Rußland ist sehr energieintensiv. Steigende Öl- und Gaspreise erhöhen die Kosten der Minenbetreiber, was die Angebotsseite verknappt oder die Preisuntergrenze (Margendruck) nach oben verschiebt.

Die Straße von Hormus ist das Nadelöhr für ca. 20 % des weltweiten Öls. Blockaden führen zu explodierenden Logistikkosten, die direkt in die Preisgestaltung physischer Rohstoffe einfließen. Auch die Rüstung trägt zur Verknappung bestimmter Rohstoffe bei: Während Gold primär als Währungsschutz dient, sind Silber, Platin, Palladium und Iridium kritische Industriemetalle. Die Rüstungsindustrie benötigt sie für Hochleistungskontakte, Sensoren und Triebwerkskomponenten. Eine drohende Ausweitung des Krieges führt zu staatlichen Aufkäufen und einer Priorisierung des militärischen Bedarfs gegenüber zivilen Sektoren. Der Iran ist zwar kein Hauptförderer von Platin, aber die Allianzstrukturen (z. B. mit Rußland) könnten dazu führen, daß Exportbeschränkungen als geopolitische Waffe eingesetzt werden, was den Zugang zu russischem Palladium massiv erschwert.

Es gibt daneben auch indirekte Auswirkungen des Krieges auf die Preise der Anlagemetalle. In Zeiten unklarer Kriegsentwicklungen flieht Kapital in liquide, wertbeständige Anlagen. Gold fungiert hier als ultimative Versicherung gegen einen Systemkollaps. Kriegsausgaben sind produktivitätsneutral, aber geldmengenausweitend. Die Erwartung einer kriegsbedingten Inflation treibt Anleger in Edelmetalle, um die Kaufkraft zu schützen.

Denkbar sind jedoch auch negative Auswirkungen des Krieges auf die Preise bestimmter Rohstoffe. Denn während Gold steigt, leiden Industriemetalle oft unter einer drohenden Rezession. Platin und Palladium werden primär in Abgaskatalysatoren für Verbrennermotoren eingesetzt. Ein langwieriger Konflikt im Nahen Osten dämpft das globale Wirtschaftswachstum und damit den Absatz von Neufahrzeugen. Dies könnte theoretisch preissenkend wirken, wird aber oft durch die Angst vor Lieferkettenabrissen (Bevorratung) überkompensiert. Hohe Ölpreise könnten die Transformation zur Elektromobilität beschleunigen, was die langfristige Nachfrage nach Palladium in Katalysatoren schwächt, aber die Bedeutung von Silber (Photovoltaik/Elektronik) und Platin (Wasserstoffwirtschaft/Elektrolyseure) als strategische Zukunftsmetalle erhöht.

Die bloße Möglichkeit einer Eskalation löst Vorsorgenachfrage aus, allerdings scheint sich dieser Effekt im Verlauf des Krieges abzuschwächen. Zentralbanken, insbesondere in den Schwellenländern, diversifizieren verstärkt in Gold, um sich von westlichen Finanzsanktionen (die im Falle einer Kriegsbeteiligung drohen) unabhängig zu machen. Industrieunternehmen gehen dazu über, Lagerbestände bei Platin und Palladium massiv aufzubauen, um bei einer Blockade der Handelswege produktionsfähig zu bleiben. Diese künstliche Nachfrage verknappt das Spot-Angebot und führt zu Preissprüngen.

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